Alexander Zverev wird das Jahr als Weltnummer eins beenden, nachdem Carlos Alcaraz verloren hat

Alexander Zverev wird als 30. Mann die Weltrangliste der ATP anführen. Er steht als Weltnummer eins fest, nachdem Carlos Alcaraz bei den Shanghai Masters überraschend ausgeschieden ist.

Der Deutsche hätte sich ohnehin an Jannik Sinner vorbeischieben können, der wegen einer Knieverletzung für den Rest des Jahres ausfällt. Alcaraz hatte noch eine rechnerische Chance, Zverev zu verdrängen, bis er am Montag in der dritten Runde dem Belgier Zizou Bergs mit 5:7, 6:7 (4:7) unterlag.

„Es war eine fantastische Saison für mich. Zu wissen, dass ich das Jahr an der Spitze der Rangliste beenden werde, ist ein Traum, der wahr geworden ist“, sagte Zverev.

Nach drei verlorenen Grand-Slam-Finals gewann Zverev im Juni die French Open und holte damit seinen ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Im vergangenen Monat folgte der Sieg bei den US Open. Der 29-Jährige hat die Verletzungsprobleme des Spaniers Alcaraz und des Italieners Sinner genutzt, die in den beiden vergangenen Saisons das Geschehen auf der ATP-Tour dominiert hatten. So wurde er zum besten Spieler der Welt.

Zverev kann Sinner frühestens am 2. November überholen. Er wird der erste deutsche Mann sein, der die Saison als Nummer eins beendet. Zudem ist er der älteste Spieler, der dieses Ziel erstmals erreicht.

Nach einer schweren Knöchelverletzung im Halbfinal der French Open 2022, die ihn sieben Monate ausser Gefecht setzte, kehrte Zverev in die Spitze des Sports zurück. Seit März 2024 steht er ununterbrochen unter den besten vier der Welt.

„So viel Arbeit und Einsatz steckten in diesem Ziel, besonders nach dem Comeback von der Knöchelverletzung. Ich freue mich darauf, die Saison glanzvoll abzuschliessen“, fügte er hinzu.

Analyse: Wie Zverev die unmögliche Mission vollendete

Zu Beginn des Jahres schien es undenkbar, dass jemand anders als Sinner oder Alcaraz die Saison als Weltnummer eins beenden würde. Vor 2026 führte Alcaraz die Rangliste mit 12’050 Punkten an, knapp gefolgt von Sinner mit 11’500 Punkten.

Die Dominanz des Duos, das in den Jahren 2024 und 2025 alle acht Grand-Slam-Titel unter sich aufgeteilt hatte, zeigte sich am grossen Abstand zum restlichen Feld. Der drittplatzierte Zverev hatte 5’110 Punkte. Zahlenmässig lag er damit näher am 2’221. Spieler der Rangliste als an den beiden Ersten.

Doch mit dem Beginn der Schlussphase der Saison hat Zverev das vollbracht, was viele für unmöglich hielten.

Es lässt sich nicht leugnen, dass Zverev davon profitiert hat, dass Sinner und Alcaraz einen grossen Teil der Saison verletzungsbedingt verpassten. So gewann er die Titel der French Open und der US Open, während mindestens einer der beiden fehlte.

Beide Grand-Slam-Siege gelangen ohne Duelle mit Sinner oder Alcaraz. Bis zum New Yorker Final gegen Ben Shelton hatte er es nicht mit einem Top-10-Spieler zu tun.

Zverev hat gesagt, er wäre „vielleicht nicht“ der beste Spieler der Welt, wenn seine beiden Rivalen „gesund und in Topform“ wären.

Doch wie das Sprichwort sagt: Man kann nur schlagen, was vor einem steht. Genau das hat Zverev getan und die bislang beste Saison seiner Karriere gespielt. Dies, nachdem seine Laufbahn seit seinem Durchbruch als junges Wunderkind den hohen Erwartungen oft nicht gerecht geworden war.

Alcaraz nach dem Aus mit „negativen Gedanken“

Alcaraz hat seit seiner Rückkehr nach einer Handgelenksverletzung, die ihn fast fünf Monate von der Tour fernhielt, ermutigende Fortschritte gemacht. Die Niederlage zeigte jedoch, dass ein Comeback nach so langer Pause nicht reibungslos verläuft.

Der siebenmalige Grand-Slam-Sieger blieb deutlich unter dem Niveau, das er beim Gewinn der Japan Open in der vergangenen Woche gezeigt hatte. Er unterlief ihm eine Reihe untypischer Fehler.

„Heute war von meiner Seite aus kein gutes Spiel. Ich habe mich nicht gut gefühlt“, sagte Alcaraz. Er lobte auch den 39. der Weltrangliste, Bergs, der stark aufschlug und seine Chancen nutzte.

„Im Moment kommen mir all die negativen Gedanken in den Sinn und keine positiven. Aber ich denke, [später] werde ich die guten Dinge mitnehmen.“

Bergs bewies grosse Nervenstärke, als er den grössten Sieg seiner Karriere nach Hause brachte. In der Runde der letzten 16 trifft er auf den Amerikaner Tommy Paul.

Zverev bleibt im Turnier als einer von nur drei gesetzten Spielern unter den besten acht übrig. Neben ihm sind dies der Kanadier Felix Auger-Aliassime und der Russe Daniil Medwedew.

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